Christian Kurrat beschäftigt sich mit der Frage, warum Menschen auf dem Jakobsweg pilgern. Durch die Analyse von Interviews kommt er zu dem Schluss, dass es sich beim Pilgern erstens um ein biographisches Programm handelt und dass, zweitens, die biographische Veranlassung die Erfahrungswelt des Pilgers bestimmt. Der Autor identifiziert fünf Pilgertypen: Menschen pilgern, um ihr Leben zu bilanzieren, um eine Krise zu verarbeiten, um eine Auszeit vom Alltag zu nehmen, um einen Übergang zwischen zwei Lebensphasen zu vollziehen oder um einen Neustart im Leben zu initiieren. Die einzelnen Typen werden anhand ausführlicher Interviewauszüge plastisch dargestellt. Darüber hinaus beschreibt der Autor ausgewählte Rituale des Pilgerns und arbeitet heraus, welche Funktion diese innerhalb der Biographie einnehmen. Die individuelle biographische Veranlassung wird beim Steinablegen am Cruz de Ferro besonders deutlich, während die verschiedenen Rituale am Kap Finisterre als Abschieds- und Erneuerungsrituale zu verstehen sind.