Der theoretische Teil wird eröffnet von Rainer Schützeichel. Er beleuchtet das Pilgern zunächst aus einer sozialtheoretischen Perspektive und versteht es dabei als spezifisches Handlungsformat. Um Pilgern soziologisch erfassen zu können, entwirft er einen analytischen Begriffsrahmen, der über individuelle Motivlagen für eine Pilgerschaft hinausgeht und konstitutive Regeln beinhaltet, die das Pilgern als solches definieren. In Anlehnung an Turners Ritualtheorie begreift er Pilgern als »liminale Phase«, deren Eigenschaften in diametralem Gegensatz zum Alltagsleben stehen. Schützeichel versteht Pilgern ferner als transreligiöses, universalisierendinkludierendes und multifunktionalistisches Handlungsformat, welches mit anderen Handlungsformaten – wie etwa Tourismus und Wellness – verwoben ist.